Mitgliederbrief

November 2006


WENN ALLES FEHLSCHLÄGT,
VERSUCHE ZU LÄCHELN.
ZU DEINER GROSSEN ÜBERRASCHUNG
WIRST DU ERFOLG HABEN.

SRI CHINMOY
INDISCHER PHILOSOPHI


Ingenieurarbeit in 6 Jahrtausenden

Unter dem Leitthema "Sechstausend Jahre Ingenieurarbeit - Naturbeherrschung und Weltveränderung" trafen sich Technikhistoriker auf ihrer diesjährigen Tagung als Beitrag zum 150jährigen Jubiläum des VDI. Die VDI-Nachrichten berichteten. Technikgeschichte bietet alles andere als eine trockene Anhäufung von Ereignissen, sie ist spannend, weil sie nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Misserfolgen zu berichten weiß.
In dem weit gespannten Zeitrahmen von etwa 6000 Jahren begann die Technik mit Bauwesen, Wasserbau, aber auch von Anfang an mit Waffentechnik. Das blieb so bis zur industriellen Revolution, als sich das Wissen um chemische und physikalische Vorgänge versachlichte und erweiterte, die Elektrizität entdeckt wurde und damit der Weg zum Ingenieurberuf nach heutigem Verständnis geöffnet wurde.
Pünktlich zum 150jährigen Jubiläum des VDI ist ein Buch erschienen, das sich diesem Thema widmet. Das Werk "Geschichte des Ingenieurs - Ein Beruf in sechs Jahrtausenden" beschreibt die 6000 Jahre Ingenieurberuf von den Hochkulturen der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit. Die Herausgeber Wolfgang König und Walter Kaiser, selbst bekannte Technikhistoriker, beschreiben gemeinsam mit sieben weiteren Verfassern den Weg von den Technikern der Antike bis zum aktuellen Berufsbild des Ingenieurs (Carl Hauser Verlag, München).

Vor diesem Hintergrund gilt als Hauptthema dieses Mitgliederbriefs das Wirken des WIV-Arbeitskreises Technikgeschichte.
 


Verschiebelokomotive der preußisch-hessischen Staatseisenbahnverwaltung, gebaut von der Maschinenbauanstalt "Uniongießerei" in Königsberg (etwa 1912)
 

Wo historische Technik lebendig wird - der WIV-Arbeitskreis Technikgeschichte

Im Januar 1985 übernahm Dr.-Ing. Manfred Busch M.A. die Leitung des Arbeitskreises Technikgeschichte von Herrn Dipl.-Ing. Dr. Leiner. Die vorausgegangene Zusammenarbeit mit dem Vorgänger bei Denkmalschutzprojekten, Halbtagesexkursionen sowie einer Studienreise gewährte eine lückenlose Weiterführung nach der Übergabe der Leitung des Arbeitskreises.

Breites Vortragsangebot im VDI-Haus Stuttgart
Die Tätigkeit des Arbeitskreisleiters besteht aus der Planung und Durchführung von Vortragsveranstaltungen, Tagesexkursionen, sowie mehrtägigen Studienreisen. Auch Einladungen, einen Vortrag zu halten, kamen schon von anderen Bezirksvereinen des VDI sowie von der Universität Stuttgart. Seltener wird die Mitarbeit beim Schutz technikgeschichtlicher Denkmäler vom Landesdenkmalamt angefordert, obwohl sich schon im Jahre 1975 rund 25 Spezialisten aus dem Arbeitskreis als Gutachter angeboten hatten.
Die Vorträge gibt es im Monatsrhythmus mit Ausnahme der Ferienzeit, also durchschnittlich 8 bis 9 Vorträge im Jahr. In der Regel finden diese Vorträge im VDI-Haus in Stuttgart-Vaihingen statt, was neben der recht guten Verkehrsanbindung (S-Bahnstation, problemlose Parkmöglichkeiten) über mehrere Vortragsräume verschiedener Größe mit entsprechender Ausstattung verfügt. Auch besteht hier die Möglichkeit zu einem zwanglosen Beisammensein nach der Veranstaltung.

Exkursionen anstatt Vergnügungsreisen
Die Tagesexkursionen führen zu geeigneten Nahzielen, wobei die Anreise mit einem Reisebus oder eigenen Pkw erfolgt, ggf. auch mit der Bahn. Es bieten sich dabei Museen an, technikgeschichtliche Einzeldenkmale, Betriebsbesichtigungen usw. Mehrtägige Studienreisen, die aus Gründen des Aufwands (Planung, Kosten- und Zeitaufwand der Teilnehmer u.ä.) nur einmal im Jahr stattfinden, führen meistens ins Ausland, wie Schweiz, Südtirol, Österreich, unter dem Vorgänger sogar nach Russland, Ungarn und in die Türkei. Nur bei näher gelegenen Zielen wie das Saarland und Südtirol wurden dabei private Pkw als Verkehrsmittel eingesetzt, sonst bevorzuge ich kombinierte Bahn- und Busreisen, fallweise auch Schiffs- oder Flugreisen. Solche Fernreisen werden in der Regel in Zusammenarbeit mit einem Reisebüro geplant und organisiert.
Unser Tagesprogramm beginnt früh am Tag und endet manchmal erst mit Anbruch des Abends. Für lange Kaffeepausen oder Einkaufstouren ist wenig Zeit vorgesehen. Oft gab es als Mittagsmahlzeit nur ein Paar heiße Würstchen aus der Busbordküche auf einem Autobahnparkplatz. Ganztägige Stadtbesichtigungen oder mehrstündige Wanderungen und Betriebsbesichtigungen sind dagegen die Regel. Dafür bieten sich den Teilnehmern tiefe und nachhaltige Einblicke wie z.B. in die Kultur- und Technikgeschichte antiker Ansiedlungen, einer Fabrikanlage oder einer alten Stadt mit ihren Befestigungsanlagen, Brückenbauten, Wasserkraftnutzung usw. Tatsächlich alle Kosten dieser Reisen, selbst die Trinkgelder, werden vollständig auf die Teilnehmer einschließlich mir als AK-Leiter umgelegt.
 

Dr. Ing. Manfred Busch,
Leiter des Arbeitskreises Technikgeschichte, vor dem Modell einer Dampfmaschine im VDI-Haus Stuttgart

Vielfalt an Themen lockt unterschiedliches Publikum
Die monatlichen Vorträge werden z. T. von Mitarbeitern des Arbeitskreises bestritten, gelegentlich auch von mir selbst. Ein großer Teil entfällt aber auf Gastvorträge von außenstehenden Fachleuten oder Universitätsangehörigen, zu denen ich aufgrund meiner 35-jährigen Tätigkeit im wissenschaftlichen Dienst der Universität Stuttgart einen guten Draht besitze. Hin und wieder kommen auch Vortragsangebote aus den Reihen der Gastteilnehmer an Veranstaltungen des Arbeitskreises.
Die Vortragsthemen erstrecken sich über ein weites Feld. Sie kommen aus allen Sparten der Technik von winzigen Bauteilen für elektronische Geräte bis zu Großraketen für die bemannte Raumfahrt. Auch ihr zeitlicher Bezug ist sehr weit gefasst von der neolithischen Steinbearbeitungstechnik bis zu technischen Meilensteinen der jüngsten Vergangenheit. Selbst Biografien und Wirken technikgeschichtlich bedeutender Personen sind ein Thema.
Deshalb findet sich von Vortrag zu Vortrag ein oft gänzlich unterschiedliches Publikum ein. Der AK Technikgeschichte besteht zwar aus ca. 120 Mitgliedern. Davon bilden aber nur etwa ein Drittel den "harten Kern". Die Einladungen zu den Veranstaltungen erfolgen hingegen öffentlich, d.h. im Internet und im Veranstaltungskalender des WIV. Sie erreichen somit eine weit größere Anzahl von Interessierten. Die aktiven Mitglieder des Arbeitskreises erhalten zusätzlich dreimal im Jahr Rundschreiben mit ausführlichen Beschreibungen der geplanten Vortragsinhalte, Exkursionen und Studienreisen.
 

Hafenkran in Langenargen a. B. (erbaut 1902, renoviert 2006)
 

Auch Damen interessieren sich für Technikgeschichte
Selbstverständlich werden seit 30 Jahren zu allen Veranstaltungen recht erfolgreich Damen eingeladen. Dabei steht nicht ein gesondertes Programm auf dem Plan, sondern die Damen nehmen gern und interessiert an Vorträgen, Begehungen und Besichtigungen teil, auch wenn sie in der Mehrzahl keinem technischen Beruf nachgehen. Ich achte auch darauf, dass Erläuterungen zum Gesehenen nicht gerade in ausgeprägtem Fachchinesisch vorgetragen werden. Wenn auch mancher Purist hierüber die Nase rümpfen mag, so meine ich, dass Technik selbst in der Umgangssprache anschaulich erläutert werden kann.
Nach über 20jähriger Tätigkeit als AK-Leiter ist es wohl zulässig, über gewisse Trends bei der Zusammensetzung des Teilnehmerkreises bei Vorträgen zu sprechen und über die Vorliebe der Teilnehmer für bestimmte Vortragsthemen. Publikumsrenner unter den Vorträgen sind nach wie vor Veranstaltungen aus dem Bereich der Fortbewegungstechnik im weitesten Sinn (Kraftfahrzeuge, Flugzeuge, Raumfahrt). Sehr gut besucht sind auch Vorträge zu historischen Themen aus weiter zurückliegenden Zeiten, z.B. antike Schiffstechnik, frühe Metallgewinnung, Wasserkraftnutzung in der Antike u.ä. Der Zulauf sprengte daher schon manchmal die Kapazität der Vortragsräume. Allerdings gab es auch Umstände, unter denen gerade mal ein Dutzend Teilnehmer erschien, besonders bei winterlichen Straßenverhältnissen oder bei zu großer Konkurrenz beliebter gleichzeitig laufender Fernsehsendungen.

Wandel der Teilnehmer
Eindeutig lässt sich feststellen, dass das durchschnittliche Alter der Besucher von Veranstaltungen immer höher wird. Anfangs der 70er Jahre, als mein Vorgänger mit großem Elan seine Arbeit aufnahm, erklärten sich viele Interessenten zur Mitarbeit bereit, die noch mitten im Arbeitsleben standen. Das neue Denkmalsschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg und der Plan zu einem Technischen Landesmuseum beflügelte damals bei vielen technikgeschichtlich Interessierten den Tatendrang zur Mitarbeit. Das nur recht zähe Gedeihen beider Projekte und die Wahl von Mannheim als Standort des Museums ließen den Eifer des "status nascendi" etwas erlahmen. Nach Ablauf eines Jahrzehnts gab es die ersten Ausfälle durch Krankheit, Ruhestand und auch Tod.
Zudem rückten kaum jüngere Interessenten nach, eine Erscheinung, über die fast alle AK-Leiter Klage führen, in allen Fachgebieten und wohl allen Bezirksvereinen. Als Grund dafür wird die weitaus höhere berufliche Belastung der heute im Berufsleben Stehenden angeführt, aber auch die lawinenartig gewachsene Flut an Informationsveranstaltungen und -möglichkeiten. So stagniert die Zahl der gemeldeten Mitglieder des Arbeitskreises bei ca. 120, die durchschnittliche Zahl der Veranstaltungsteilnehmer bei nur ca. 30.
 

Bohrwerk aus "Werkzeugmaschinentypen von Gebr. Böhringer, Göppingen" (etwa 1912)


 Teilnehmende Gäste zeigen sich beeindruckt
Die Vortragsthemen aus wechselnden Gebieten der Technikgeschichte sprechen aber oft Interessenten aus anderen Arbeitkreisen und selbst außerhalb des VDI an. Diese "Gastteilnehmer" bilden häufig einen nennenswerten Anteil der Zuhörer. Manchmal sind sie vom Inhalt und Ablauf einer Veranstaltung so beeindruckt, dass sie in der Folgezeit häufiger erscheinen und auch darum bitten, frühzeitig über Themen und Termine von Veranstaltungen informiert zu werden. So ist es in den letzten Jahren wieder zu einem leichten Anstieg der Teilnehmerzahlen in Vorträgen und Tagesexkursionen gekommen. Gelegentlich mussten Teilnehmer sogar abgewiesen werden, wenn die vonseiten der besuchten Museen oder Firmen festgesetzte Obergrenze an Teilnehmern erreicht war.
So bin ich als Leiter des Arbeitskreises Technikgeschichte nicht unzufrieden mit der Entwicklung und glaube, dass meine langjährigen Bemühungen Früchte getragen haben.

Manfred Busch
 

Raddampfer "Hohentwiel" vor Lindau (in Dienst gestellt 1913, renoviert von 1984 bis 1990)

 


Plus-Mitglied im VDI mit Vorteilen

Seit dem 1. Januar gibt es die VDI-Plus-Mitgliedschaft als zusätzliches Angebot für VDI-Mitglieder. Als VDI-Plus-Mitglied können Sie auf eine umfangreiche Rechts- und Karriereberatung zugreifen, so bis zu drei anwaltliche Erstberatungen pro Jahr in berufsspezifischen Rechtsfragen durch Anwälte der VDI-Service GmbH. Hierzu gehören Fragen des Arbeits-, Berufs- und Honorarrechts.
Darüber hinaus wird einmal jährlich eine umfangreiche Karriereberatung im Rahmen einer "Face-To-Face-Beratung" (der Ausdruck stammt nicht von der WIV-Redaktion) angeboten. Qualifizierte Personalberater und -entscheider, die insbesondere den Arbeitsmarkt der Ingenieure, Naturwissenschaftler und Informatiker kennen, beraten die Plus-Mitglieder.
Neben externen Veranstaltungsterminen führt das Düsseldorfer VDI-Team jederzeit Karriereberatungen durch - telefonisch, per Mail, schriftlich oder persönlich. Die VDI-Plus-Mitgliedschaft steht exklusiv VDI-Mitgliedern zu. Sie ist für einen zusätzlichen Betrag von 41,76 im Jahr zu erhalten.(VDI-N)

Infos: VDI-Service GmbH, Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dieter Anders, Tel.: 0211 / 6214-126,
E-Mail:
vdi-plus@vdi.de.
 


Personalia

Ehrungen
für langjährige erfolgreiche und ehren-
amtliche Tätigkeit wurden ausgezeichnet

mit der VDI-Ehrenmedaille
Dr.-Ing. Manfred Rick,
Leiter des AK Gymnasium und Wirtschaft, sowie Veranstalter der VDI-Foren

mit der VDI-Ehrenplakette
Dr.-Ing. Manfred Busch M.A.,
Leiter des AK Technikgeschichte
Dr.-Ing. Wolfram Fischer,
Leiter des AK Entwicklung, Konstruktion und Vertrieb
Dipl.-Ing. Reinhard Hahner,
Schatzmeister des WIV
Prof. Dr.-Ing. Eberhard Haller,
stv. Vorsitzender des WIV
Dr. rer. nat. Günter Hellbardt,
ehemaliger Leiter des AK Gesellschaft und Technik, sowie Internetbeauftragter des WIV
Dipl.-Ing. Ines Schmidt-Marquardt,
Leiterin des AK Frauen im Ingenieurberuf
Prof. Dr.-Ing. Horst-J. Roos,
Leiter der Neckargruppe Heilbronn, sowie ehemaliger Leiter des AK Fördertechnik, Materialfluss und Logistik
Prof. Dr.-Ing. Alfred Voß,
Leiter des AK Energietechnik
 

Prof. Dr.-Ing. Alfred Voß, Leiter des AK Energietechnik, erhält die VDI-Ehrenplakette von Prof. Dr.-Ing. H.-J. Bullinger (von rechts)

Wechsel in den Arbeitskreisen
AK Kunststofftechnik
Prof. Dr.-Ing. Bernhard Rief
übernimmt die Leitung in Nachfolge des verstorbenen Dr. rer. nat. Adolf Franck
AK Gesellschaft und Technik
Dr. rer. nat. Winfried Keiper
übernimmt die Leitung von Dipl.-Ing.(FH) Reinhold Koepf
AK Gymnasium und Wirtschaft
Dipl.-Ing. (FH) Michael Moog
übernimmt die Leitung von Dr.-Ing. Manfred Rick
AK Senioren
Dipl.-Ing. (FH) Wolfgang Märtens
übernimmt die Organisation der Reisen aus Händen von Dipl.-Ing. Hans-Oskar Daldrup
 

Neue Leiter in den Arbeitskreisen sind Prof. Dr.-Ing. Bernhard Rief für Kunststofftechnik und Dr. rer. nat. Winfried Keiper für Gesellschaft und Technik (von links)


Ergebnis der Umfrage zum VDI-Ball

Dem Mitgliederbrief vom April dieses Jahres lag ein Fragebogen bei, mit dem die Organisatoren des Balls Ihre Wünsche, Anregungen und auch Kritik erfragen wollten. Erfreulich ist, dass die Anzahl der Ballgäste eine steigende Tendenz aufweist, dennoch möchten wir das Platzangebot im Beethovensaal und Foyer noch besser ausnutzen.
Von den rund 12 000 versendeten Fragebogen wurden knapp 200 beantwortet. Die bescheidene Resonanz wollen wir jedoch weniger als Zeichen von Ballmüdigkeit werten, sondern mehr als stille Zustimmung zu der aktuellen Konzeption des Balls. Denjenigen, die den Fragebogen beantwortet haben, danken wir herzlich! Ihre Anregungen werden wir gerne so weit wie möglich aufnehmen.
Als Fazit der gründlichen Auswertung der Antworten und Streichung gegensätzlicher Wünsche können wir ziehen, dass wir sowohl die bisher eingeschlagene Richtung zur Steigerung der Attraktivität des Balls als auch den Termin, nämlich jeweils den Vorabend des 1. Advent, beibehalten sollten. Den glücklichen Gewinner einer Paarkarte für den Ball haben wir ausgelost.

Auch dieses Jahr feiern wir wieder den Ball der
Ingenieure als gesellschaftlichen Höhepunkt des VDI-Jahres
am Samstag, den 2.Dezember um 20 Uhr
in der Stuttgarter Liederhalle.

Werben Sie im Freundes- und Bekanntenkreis dafür, als Belohnung erhalten Sie für 4 und mehr mit angemeldete Paare einen Gutschein für eine Paarkarte beim VDI-Ball 2007!