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"Spätzünder"
Das Grußwort für den VDI überbringt Ing.(grad) Helmut Petri, Mitglied des Präsidiums des VDI. Obwohl der WIV erst 21 Jahre nach Entstehen des VDI gegründet wurde, habe der WIV nach wenigen Jahren maßgeblichen Einfluss auf den technischen Fortschritt in Baden-Württemberg genommen. Bereits damals entstanden fundamentale Erfindungen in rascher Folge, wie Ottomotor, Telefon und Glühlampe innerhalb von 3 Jahren. Der Wandel seinerzeit sei wohl nicht wesentlich langsamer, aber um so tiefgreifender gewesen.
Waren zu Anfang die Mitglieder meist leitende oder selbständige Ingenieure, so hat sich die Struktur im Laufe der Jahre zunehmend zu Ingenieuren in nichtleitenden Funktionen verschoben. Dieser auch gesellschaftlich erkennbaren Umschichtung hat der VDI Rechnung getragen, und kümmert sich stärker um die Anliegen der Jungmitglieder. Dazuhin ist die Internationalisierung des VDI fester Bestandteil seiner Strategie.
Dennoch ist und bleibt die regionale Strukturierung das Fundament des VDI. Durch die lokalen Beziehungen der Bezirksvereine zu Politik und Wirtschaft hat sich der VDI hohes Ansehen erworben. Dafür dankt Herr Petri im Namen des Präsidiums. Als Erinnerungsgeschenk des VDI überreicht Herr Petri Prof. Haller das Faksimile eines Glückwunschs des WIV für Fürst Bismarck zu dessen 80.Geburtstag.
Der Ministerpräsident und die Ingenieure
Als Thema seiner mit Spannung erwarteten Ansprache wählte Ministerpräsident Erwin Teufel: "Herausforderungen an die Ingenieure und ihre Chancen im zukunftsorientierten und innovativen Baden-Württemberg".
Auch der Ministerpräsident erinnert an die Impulse, die vom WIV seit seiner Gründung ausgingen: Errichtung der Materialprüfungsanstalt und eines Lehrstuhls für Elektrotechnik, der erste seiner Art im deutschen Reich, beide an der Technischen Hochschule Stuttgart, oder Vorträge über technische Errungenschaften, die nicht selten auch den königlichen Hof anzogen. Herausragende Persönlichkeiten als Vorsitzende verliehen dem Wort des Vereins besonderes Gewicht.
Zweierlei dürfe man behaupten:
Das Ingenieurwesen zeichnet wie wenig andere Berufs-felder verantwortlich für die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft - und -
Unser heutiger Lebensstandard basiert zu einem guten Teil auf einem kontinuierlichen Strom technologischer Spitzenleistungen.
Jedoch: Ein Ausruhen auf errungenen Lorbeeren kann sich heute niemand leisten, denn auch in Zukunft gibt es zahlreiche Herausforderungen für Ingenieure, wie Weiterentwicklungen oder Erschließen ganz neuer Technologiefelder, z.B. die Nanotechnologie oder die Brennstoffzelle.
Zu wenig Ingenieurstudenten
Mit Sorge sieht Erwin Teufel die Zurückhaltung der Jugend gegenüber den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studienfächern. Hier nimmt Deutschland den letzten Platz in Europa ein. Mit der Schwierigkeit des Studiums und den vermeintlich noch immer schlechten Berufsaussichten allein will der Redner das Problem nicht begründen. Vielmehr sei ein deutlicher Ansehensverlust des Ingenieurberufs bei der Bevölkerung festzustellen. Auch die unterschiedliche Wertung der Wissensgebiete, die zur Allgemeinbildung zählen, trage zu dem geringen Ansehen bei. Die in weiten Teilen Deutschlands verbreitete Skepsis gegen nahezu alle neuen Technologien sei ein offenbar tiefsitzendes gesellschaftliches Phänomen, die Erwin Teufel als fahrlässig, töricht und ignorant brandmarkt.
Kontra Ignoranz
Wir brauchen die Einsicht in unserer Gesellschaft, dass unser Wohlstand auf technischen Höchstleistungen beruht und wir alles tun müssen, um an der Spitze des Fortschritts zu bleiben. Das beginnt bereits in der Familie. Jugendlichen sollen die guten Chancen des Ingenieurberufs vermittelt werden. Wir brauchen die Flankierung durch die Medien. Unternehmen können durch weitblickendes Personalmanagement den Ingenieurberuf attraktiv erscheinen lassen.
Mit der Darstellung der vielfältigen Aktionen des Landes Baden-Württemberg zur Behebung des Ingenieurmangels und einem Ausblick auf den am folgenden Tag stattfindenden "Tag des Ingenieurs" des WIV, dem der Ministerpräsident einen erfolgreichen Verlauf wünscht, schließt Erwin Teufel seine engagiert vorgetragene Ansprache.
Das Publikum dankt ihm mit lang anhaltendem Beifall. Prof. Bullinger, inzwischen dem Stau entkommen, dankt mit herzlichen Worten, mit denen die langjährige Vertrautheit der beiden Persönlichkeiten zum Ausdruck kommt. Bevor sich die Festgäste zum Stehimbiss begeben, schließt die Künstlergruppe "Simply Nice", die in den Pausen zwischen den Redebeiträgen die Gäste mit der pantomimisch vorgetragenen Entwicklung der Technik erfreuten, mit einer letzten Sequenz ihre Vorstellung ab. |