| Mitgliederbrief | April 2000 |
WISSEN IST DER EINZIGE ROHSTOFF, Siegmar Mosdorf (beim 4. VDI-Forum) |
Das 4.
VDI-Forum am 13. Dezember 1999Die Zukunft
Baden-Württembergs im Euroland -
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Rund 400 Zuhörer hätten gerne länger diskutiert |
Einer der negativen Standortfaktoren der Stuttgarter Region - die chaotischen Verkehrsverhältnisse - wurde den rund 400 Gästen des 4. VDI-Forums im "Haus der Wirtschaft" wieder einmal schmerzlich bewusst, als sie nahezu eine halbe Stunde lang geduldig der Ankunft der beiden Gastredner Siegmar Mosdorf und Dr. Lothar Späth harren mussten. So blieb dem Vorsitzenden des WIV, Prof. Klaus-Dieter Vöhringer vor der eigentlichen Eröffnung ausreichend Zeit, auf aktuelle Aktivitäten des VDI hinzuweisen, in Stichworten VDI-International, der erste Weltingenieurtag während der Expo 2000 in Hannover und die Einrichtung von VDI-Landesvertretungen. Siegmar Mosdorf, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, begann mit dem Hinweis auf die Verflechtung Baden-Württembergs nicht nur innerhalb der Bundesrepublik, sondern auch auf internationaler Ebene. Das sei durchaus als Chance im zunehmend schärferen internationalen Wettbewerb zu verstehen. Viele Länder hätten technisch so weit aufgeholt, dass mit der Produktqualität - immer noch eine Stärke Baden-Württembergs - allein nicht mehr gepunktet werden könne. |
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Siegmar Mosdorf |
Die "Diamanten" des Landes seien seine Menschen: Innovativ, fleissig und strebsam. Als Vorbilder nennt er Namen wie Robert Bosch, Gottlieb Daimler, Albert Einstein, Max Eyth und Matthäus Hahn. Beste Beispiele für internationales Engagement liefere z.B. Trumpf (bestens in Japan eingeführt), Festo (mit 37 Auslandsniederlassungen), ganz abgesehen von Global Players wie DaimlerChrysler, Bosch, Porsche oder HP. Baden-Württemberg habe als Standort viel zu bieten, um nur die ausgeprägte Forschungslandschaft in Universitäten oder Unternehmen zu nennen. Überall im Land sei kulturelles Leben von hoher Qualität und teils internationalem Rang verbreitet. Auch die Vielzahl an Verlagen, deren Einsatz im Internet ein weites Betätigungsfeld bieten könnte, sei ein noch wenig ausgeschöpftes Potenzial. Dennoch sei Werbung für internationale Investitionen in das Land keinesfalls überflüssig, die dann aber direkt bei den Investoren und nicht "2 Minuten vor der Tagesschau". Schwächen macht Mosdorf, dessen Wahlkreis Esslingen ist, im Dienstleistungsbereich aus. Allein Manhattan zählt mit 4000 Kommunikationsdienstleistern mehr als unser Bundesland. Der SPD-Politiker kritisiert die vielen Abwehrreflexe im Lande. Als Beispiel nennt er Stuttgart 21, das im Wettbewerb der Regionen eine Schlüsselfunktion einnimmt, entscheidend dafür, ob wir zukünftig im internationalen Netz noch eine Rolle spielen werden zwischen Paris und Budapest (oder München). |
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Dr. Lothar Späth |
Lothar Späth, Vorsitzender des Vorstandes der Jenoptik AG, nimmt den Faden auf, nicht ohne die Argumente seines Vorredners ausdrücklich bestätigt zu haben. Rasch aber nennt er weitere Defizite in seiner bekannt unterhaltsamen und teils sarkastischen Weise. Globalisierung ist für ihn das erste Stichwort, das hierzulande immer noch fälschlich mit Produktverliebtheit in "made in Germany" gleichgesetzt werde. Er stellt eine mentale Sperre fest, die einem Eingehen auf die Wünsche der Kunden im Wege stehe. Marktorientierung bedeute heute rasches Reagieren auf den Kunden, der immer neues will. Wie Mosdorf bestätigt Späth Stärken im Produktions-bereich, dagegen Defizite bei Dienstleistungen. So wächst Frankfurt überdurchschnittlich vor allem wegen des ausgeprägten Dienstleistungsbereichs, München mit einem Gemisch von Produktion und Dienstleistungen. Mit immer höherer Produktivität werde auch die Zahl der Arbeitslosen steigen. Die Automobilindustrie stelle heute mit 20% weniger Beschäftigten 20% mehr Fahrzeuge her. Das Problem werde nicht geringer durch die Qualifikation älterer Arbeitnehmer, die nicht mehr für die heute gefragten Arbeitsplätze passt. Wie das gemeint ist: "Heute zeigt der Enkel dem Opa, wie etwas funktioniert". Innovationen als Motor für Wachstum sind gefragt. Beispiel Gentechnik: Warum wird medizinisch alles geschluckt, produktionstechnisch jedoch alles verhindert? Späth schlägt vor, vermehrt in Bildung zu investieren, aber nicht in geisteswissenschaftlichen, sondern in naturwissenschaftlichen Disziplinen. In die Universitäten und Fachhochschulen solle wieder Lebenswirklichkeit, wie er es nennt, einziehen. Schließlich: "Wie können Leute, die nicht Unternehmer waren, anderen das Rüstzeug dazu liefern?" Helmut Dobler |
Das 5. VDI-Forum
ist für Ende September 2000 in Vorbereitung.
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Die Alb-Neckar-Gruppe Reutlingen,
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Prof. Dr.-Ing. Helmut
Seitz (rechts), Leiter der Bezirksgruppe und Dipl.-Ing. Gerhard Arnold, Kassier der Alb-Neckar-Gruppe |
In den ersten Jahrzehnten kamen Redner aus Stuttgart, aber die meisten Vorträge wurden aus den eigenen Reihen gehalten. In den Anfangsjahren gab es weniger als 10 Veranstaltungen mit bis zu 25 Teilnehmern. Bis zum 2.Weltkrieg waren es um 8 Veranstaltungen mit 50 bis 170 Besuchern, auch im Krieg waren es etwa 4 Vorträge mit rd. 70 Personen. Zur 50 Jahr-Feier am 14.12.1940 waren die Mitglieder im "Verein Deutscher Ingenieure im Nationalsozialistischen Bund Deutscher Technik (NSBDT), Württembergischer Bezirksverein, Ortsbereich Reutlingen" eingeladen. Redner des Abends war Dr. E. Gminder, Vorsitzender von 1903 bis 1924 und Mitglied seit der Gründung 1890. Ein Satz aus seiner Rede ist besonders interessant: "...unterdessen haben wir die Höchstentwicklung der Dampfmaschine und anschließend auch der Dampfturbine erlebt und die Jüngeren unter uns werden sicher noch die Entwicklung der Gasturbine und der Kohlenstaub-Turbine erleben, wenn nicht vorher noch die Atomzertrümmerung mit ihren unabsehbaren Folgen kommt ...". Helmut Seitz (wird fortgesetzt) |
Wider den Mangel an IngenieurenBericht über den Arbeitskreis Gymnasium und Wirtschaft Stehen Schüler der Technik ablehnend gegenüber oder nicht? Ohne dieser Frage weiter nachzugehen steht fest, dass die Einschreibungen für Technikfächer an Fachhochschulen und Universitäten in den vergangenen Jahren einen Tiefstand erreicht haben. Als wesentliche Ursachen, die zu dieser Entwicklung geführt haben, gelten die in 1994 plötzlich auftretende hohe Zahl arbeitsloser Ingenieure aller Altersklassen und die wenig ausgeprägten Kenntnisse der Abiturienten und deren Lehrer von Abläufen und Strukturen in Wirtschaft und Technik. Umgekehrt ist das Wissen der Wirtschaft von den Problemen der Schulen nur gering. Kultusministerin Annette Schavan äussert sich dazu knapp und treffend: "Die Schule muss sich der Wirtschaft öffnen und diese der Schule". Deshalb hat der WIV zusammen mit Stuttgarter Gymnasien und dem Kultusministerium den Arbeitskreis "Gymnasium und Wirtschaft" gegründet. Die Mitglieder des Arbeitskreises als Vertreter der Wirtschaft setzen sich jeweils in einer Schule ihrer Wahl als Pate oder Patin ein, um neben dem Unterricht Kenntnisse über Wirtschaft und Industrie zu vermitteln. In der Praxis heisst das, dass z.B. Praktika und Schnupperwochen, sowie Betriebsbesichtigungen und Diskussionen mit Berufsgruppen vermittelt werden. Dazu werden die Teilnehmer in der Schule vorbereitet und erhalten die notwendigen Unterlagen. Die Hilfestellung der Paten erstreckt sich bis zur Beratung bei der Berufswahl und Vermittlung von Kenntnissen für eine erfolgreiche Bewerbung. Der Arbeitskreis kann seit seiner Gründung auf ein erfolgreiches Wirken zurückblicken. So ist er in der Region Stuttgart jetzt an 20 Gymnasien vertreten. Für Schüler und Lehrer führen wir ausser Vorträgen rund 15 Besichtigungen von führenden Betrieben der Region durch. Den Lehrern bieten wir einen pädagogischen Tag in der Wirtschaft an. Einmal im Jahr laden wir alle beteiligten Lehrer zu einem Informationsabend in das VDI-Haus ein. Die Paten treffen sich alle 6 bis 8 Wochen, um Erfahrungen auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln. Weitere Arbeitskreise in ähnlicher Form sollen in Schwäbisch Hall, Murrhardt, Backnang und Freiburg eingeführt werden. Wir möchten auch Sie ermuntern, in Ihrer Region Jugendliche für Wirtschaft und Technik zu begeistern und zu unterstützen. Sie brauchen lediglich die Thematik unserer Arbeitskreise zu übernehmen und ein wenig Zeit. Der Arbeitskreis hier in der Stuttgarter Region sucht dringend weitere Paten, die nicht unbedingt Ingenieur oder gar VDI-Mitglied sein müssen. Sie sollten jung geblieben sein, bereit sein, mit Schülern und Lehrern umzugehen, und als soziale Tat ein wenig Ihrer Freizeit einzubringen. Der WIV wird jeden Einzelnen aktiv unterstützen und bei den Treffen des Arbeitskreises Ergebnisse koordinieren. Es hilft nicht weiter, sich über Schule oder Wirtschaft zu beklagen, vielmehr ist Mitarbeit zur Verbesserung gefragt. Machen Sie mit! Für weitere Fragen oder gar Ihre Anmeldung zur Mitarbeit stehen Ihnen in der WIV-Geschäftsstelle Herr Dipl.-Ing. G. Isenmann oder der Leiter des Arbeitskreises, Herr Dr.-Ing. Manfred Rick, Tel. 0711/744 621 gerne zur Verfügung. Manfred Rick/Helmut Dobler |